
Montag, 2. Februar 2009
Zum 100. Geburtstag von Simone Weil

Sonntag, 25. Januar 2009
Obamas Mum
Samstag, 17. Januar 2009
Proudhon - der größte Frauenfeind des 19. Jahrhunderts wird gefeiert
Da gibt es dann so lapidare Sätze wie den, dass sich die antifeministischen Positionen Proudhons „bei vielen Sozialisten des 19. Jahrhunderts“ fänden. Das stimmt nicht. Proudhon war ein extremer Antifeminist und in seiner Frauenverachtung deutlich radikaler als alle anderen Denker seiner Zeit, ob bürgerliche oder sozialistische.
Mit seinem Buch "De la Justice" löste er 1858 einen Protest-Sturm unter französischen Feministinnen und eine Flut anti-proudhonistische Bücher aus. In seiner 1875 posthum veröffentlichten Hetzschrift „La Pornocratie ou les femmes dans les temps modernes“ legte er noch mal nach und verteidigte seinen Antifeminismus ausdrücklich gegen den Trend der Zeit.
Der Proudhonismus führte in der französischen Arbeiterbewegung zunächst zu einem Ausschluss der Frauen aus ihren Organisationen, der erst aufgehoben wurde, nachdem der Proudhonismus an Einfluss verloren hatte. Proudhon galt zu seiner Zeit auch keineswegs als Anarchist. Zum Beispiel sind Bakunin und seine AnhängerInnen zunächst der Internationale wegen deren proudhonistischer Ausrichtung gegenüber distanziert geblieben (sie vertraten die Gleichheit der Geschlechter). Erst Kropotkin hat Proudhon in die Ahnenreihe des Anarchismus aufgenommen, und seither schreibt es einer vom anderen ab.
Es ist also keineswegs so, dass Proudhons Frauenverachtung sozusagen ein aus den Zeitumständen heraus verständlicher und vernachlässigbarer Nebenaspekt seines Denkens war, sondern er war ein zentraler Punkt. Hauptforderung der Proudhonisten war zum Beispiel ein Verbot der Frauenerwerbsarbeit und die Vorstellung, Frauen müssten in Haushalt und Kindererziehung dem Mann zuarbeiten. Dies war nicht einfach „damals eben so“, sondern eine dezidierte Gegenposition zu anderen Strömungen der Arbeiterbewegung, die eine Integration der Frauen in die Erwerbsarbeit und in den sozialrevolutionären Kampf favorisierten. Dieser Streit zwischen Proudhonisten und anderen über die Rolle der Frau nahm bei den ersten beiden Kongressen der Internationale einen sehr großen Teil der Debatten ein.
Wenn ich da solche Artikel lese, dann muss ich sagen, dass die Arbeiterbewegung in ihrem Bewusstsein für die Bedeutung der Geschlechterdifferenz für die revolutionäre Bewegung damals theoretisch bereits auf einem höheren Niveau war die so genannten "linken" Denker heute, 150 Jahre später. Ziemlich schade, nicht?
Wer es genauer wissen will: Ich hab einen Text im Netz zum Thema "Feminismus und Antifeminismus in der frühen Arbeiterbewegung" http://www.antjeschrupp.de/studienvereinigung.htm
Klonkrieger stellen sich zur Wahl

Sind sie nicht schön, die hessischen Klonkrieger? Über die Männerrunde, die nach der Abwahl der weiblichen Hauptdarstellerin übriggeblieben sind und - bei aller angeblichen Gegnerschaft zueinander - offenbar kulturell sehr schön zusammen passen, hat Judith von Sternburg eine schöne Betrachtung in der Frankfurter Rundschau geschrieben: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?em_cnt=1660264&
Dass die sexuelle Differenz in der Politik häufig weniger eine Frage der Inhalte ist, sondern vielmehr eine des Gestus, darüber denke ich schon länger nach. Nur dass es eben selten so schön augenfällig wird.
Tja, das kommt eben davon, dass die Frauen so unbelehrbar sind: http://antjeschrupp.blogspot.com/2008/11/unbelehrbar-bleiben.html
Sonntag, 11. Januar 2009
Michelle Obama ist ein Mann!

http://www.fembio.org/biographie.php/frau/comments/ist-michelle-obama-ein-mann/
Ich finde das Interessante an dieser Sache ist nicht die Altbackenheit des SPIEGEL (wahrscheinlich traut man sich dort nur zu schreiben, was mann andernorts nur denkt, aber sich political correctness halber verkneift), sondern die Tatsache, dass dieses Prinzip offenbar immer noch funktioniert. Von daher danke ich dem SPIEGEL ganz herzlich für diesen Titel, denn er liefert mir wieder einmal einen Beleg für meine These, dass die Politik trotz aller Emanzipation nach wie vor ein symbolisch männlich definierter Ort ist.
Vgl. auch meinen Artikel "Kein weiblicher Messias in Sicht" (über die Hillary-Barack-Ereignisse) http://www.bzw-weiterdenken.de/index.php?m=artikel&rub2=&tid=105 und meinen Kommentar "Ich gratuliere Hillary Clinton" in diesem Blog: http://antjeschrupp.blogspot.com/2008/06/ich-gratuliere-hillary-clinton.html
Donnerstag, 13. November 2008
Unbelehrbar bleiben!
In dem dazugehörigen Artikel erklärt dann die „Politikberaterin“ Gertrud Höhler, die ja schon lange mit der Mission unterwegs ist, Frauen die Spielregeln des Politbetriebes einzubleuen, warum Andrea Ypsilanti mit ihrem Vorhaben, Ministerpräsidentin von Hessen zu werden, ganz einfach scheitern musste: „Sie hat ihre Lektion nicht gelernt“.Wer, frage ich da mal keck zurück, ist eigentlich der Schulmeister? Welche Lektionen genau sind es, die hier gelernt werden müssen, bevor eine sich politische Ambitionen erlauben darf?
Das hat an anderer Stelle ein alter Bekannter beantwortet: Joschka Fischer ließ über die Nachrichtenagenturen verbreiten, Ypsilanti habe „das Einmaleins der Koalitionsbildung“ nicht begriffen. Interessant, wie einer jetzt den Staatsmann gibt, der doch selbst mal dadurch berühmt geworden war, dass er sich allen Lektionen verweigert und in Turnschuhen den Amtseid zum hessischen Minister leistete.
Aber klar: Joschka Fischer ist ja auch ein Mann. Und als solcher gehört er, egal ob links oder rechts, egal ob angepasst oder revoluzzermäßig, ganz einfach quasi von Natur aus aufs politische Parkett. Eine Frau hingegen muss erst mal beweisen, dass sie das kann.
Angela Merkel übrigens kann es Fischer zufolge auch nicht. Ihre „Performance“ in der Finanzkrise hat ihm nicht gefallen. „Da bedarf es des festen Blicks nach vorn, einer starken Hand und zumindest des Eindrucks, dass sie weiß, wohin es geht“ schulmeisterte er weiter. Frau kann es eben niemals richtig machen. Die eine weiß viel zu genau, was sie will, und die andere weiß es nicht genau genug.
Ich habe ja schon an anderer Stelle darüber geschrieben, dass das politische Diskursphänomen, das wir derzeit unter dem Stichwort „Obama“ erleben (sogar meine kleinen Neffen sind schon Obama-Fans) nur möglich ist mit einem männlichen Protagonisten. http://www.bzw-weiterdenken.de/index.php?m=artikel&rub2=&tid=105
Und genauso ist das, was wir derzeit unter dem Stichwort „Ypsilanti“ als Mediendebatte erleben, nur möglich mit einer weiblichen Protagonistin.
Es ist allerdings schon lange her, dass die öffentliche Demontage einer Politikerin so offen sexistisch war wie das, was in den letzten Tagen – und nicht nur in der Bildzeitung – über Andrea Ypsilanti geschrieben wurde. Plötzlich ist sie an allem schuld, was in der hessischen SPD schlecht läuft. Dabei ist die, wie jede weiß, deren Gedächtnis weiter als ein paar Monate zurückreicht, schon lange in einem ziemlich desolaten Zustand. Völlig vergessen scheint plötzlich zu sein, dass es überhaupt nur der Strahlkraft von Andrea Ypsilanti und gerade ihrem „Anders-Sein“ zu verdanken war, dass sie bei den letzten Landtagswahlen so unverhofft gut abgeschnitten hat.
Ich frage mich also, worin die große Ypsilanti-Katastrophe eigentlich bestehen soll. Auf der Suche nach Verantwortlichen für den Niedergang der SPD würden mir jedenfalls erstmal etliche andere Namen einfallen. Ypsilanti hatte ganz einfach ein linkes, für hessisch-sozialdemokratische Verhältnisse sehr radikales Programm. Ungefähr die Hälfte ihrer eigenen Partei ist anderer Meinung als sie. Weil sie bei den Wahlen aber so gut Stimmen mobilisiert hat und auch mangels überzeugender Alternativen ließ man sie eine Zeitlang gewähren. Doch letztendlich hat sich herausgestellt, dass es für ihre politische Vorstellungen in der hessischen SPD keine Mehrheit gibt. Das mag man schade finden oder toll, je nachdem welcher Meinung man selbst ist, aber es ist doch ein ganz normaler Vorgang in einer Demokratie – jedenfalls nach meinem Verständnis von Politik. Aber vielleicht habe ich ja meine Lektionen auch noch nicht gelernt.
Ein Problem ist der „Fall Ypsilanti“ jedenfalls aus einem ganz anderen Grund, von dem ich bisher allerdings noch nirgendwo etwas gelesen habe. Er wird nämlich zur Folge haben, dass Frauen noch mehr die Lust verlieren, ein politisches Amt zu übernehmen. Bekanntlich ist das Interesse von Frauen, in die Politik zu gehen, ohnehin nicht sehr groß. Jedenfalls höre ich oft Klagen, man finde keine, die für Listen, Gemeinderäte, Positionen und dergleichen kandidieren wollen. Woran liegt das wohl? An den Frauen, die ihre Lektionen nicht lernen? Oder nicht vielleicht doch eher daran, dass es einfach keine große Freude macht, dauernd von Typen der Marke Fischer belehrt zu werden? Die sich sowieso nur für ihre eigenen Strategien interessieren und nicht dafür, was eine zu sagen hat?
Der „Fall Ypsilanti“ beweist, wieder einmal, dass Frauen in der Politik die Geduld eines Engels und die Dickfelligkeit eines Elefanten brauchen. Und darin sind wir eben nicht alle so gut, wie Angela Merkel. Und deshalb besteht wohl die Gefahr, dass die „offizielle“ Politik auch weiterhin eine Männer-Angelegenheit bleibt. Schade eigentlich, denn eine besonders gute „Performance“ gibt das aller Erfahrung nach nicht.
Ich für meinen Teil hoffe jedenfalls ganz fest, dass die Frauen, egal welcher Couleur, auch weiterhin schön unbelehrbar bleiben.
Donnerstag, 25. September 2008
Simone Weil und der Anarchismus
Den Text unter der Überschrift „Wenn Handeln unmöglich wird“ findet Ihr hier: http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-7-149.htm
Mittwoch, 4. Juni 2008
„Ich gratuliere Hillary Clinton“
Ein Kommentar zum Sieg von Barack Obama gegen Hillary Clinton
Freitag, 9. Mai 2008
1968 und die Frauen

Freitag, 15. Februar 2008
Kein weiblicher "Messias" in Sicht
Mit "Messias-Faktor" hat der Spiegel den gegenwärtigen Höhenflug Barack Obamas im Rennen um die demokratische Präsident/inn/en-Kandidatur
treffend umschrieben. Der US-amerikanische Vorwahlkampf ist nämlich für eine feministische Analyse von großer Bedeutung: Die "weiße Frau" und der"schwarze Mann" kandidieren für dieselbe Partei, ihre Programme unterscheiden sich praktisch gar nicht voneinander. Aus der drohenden Niederlage Hillary Clintons können wir so einiges über die symbolische Politik der Frauen lernen:http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-2-105.htm
Freitag, 11. Mai 2007
G8 in Heiligendamm
Mir kam grade eine ketzerische Idee: Wie wär's wenn kein einziger Demonstrant, keine einzige Demonstrantin dort auftauchte? Wenn wir die Bilder verweigern, an denen sie sich in den Redaktionen und zuhause aufgeilen? Wenn wir sagen: Macht euren Scheiß alleine, bei euch ist eh Hopfen und Malz verloren?
Mir fällt ein Abschnitt aus dem schönen SciFi-Roman Winterplanet von Ursula K. Le Guin ein: Gegen etwas opponieren, bedeutet, es zu erhalten. Man sagt hier: "Alle Wege führen nach Mishnory". Doch wenn man Mishnory den Rücken kehrt und es verlässt, ist man ganz eindeutig immer noch auf dem Weg nach Mishnory. Gegen Vulgarität opponieren bedeutet unvermeidlich, selbst vulgär zu sein. Nein, man muss woanders hingehen; man muss sich ein anderes Ziel setzen. Dann beschreitet man einen anderen Weg."
Lassen wir sie doch mit ihren Ritualen allein. Gehen wir anderswo hin.
Montag, 26. März 2007
Verschiedene Vorstellungen von politischer Praxis
http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-3-55.htm
Samstag, 6. Januar 2007
Neues Internetforum für Philosophie und Politik
Wir wollen hier feministische Denkrichtungen und Initiativen ins – gerne auch kontroverse – Gespräch bringen. Eine festgelegte inhaltliche Ausrichtung gibt es nicht, und kann es ja auch nicht geben, wenn freies Denken möglich sein soll. Trotzdem ist die Seite nicht beliebig. Wir organisieren uns über die Beziehung, das heißt, es arbeiten Frauen mit (in der Redaktion sind wir derzeit zu siebt, aber demnächst kommen wahrscheinlich noch drei oder vier dazu), die sich persönlich kennen und schätzen und einander vertrauen. Und auf diese Weise soll der Kreis wachsen, aber nicht uferlos, sondern eben gegründet auf Beziehungen (was ja eine alte Praxis der Frauenbewegung ist). Die Initiative zu dem Projekt ging von Christel Göttert aus (der Verlegerin), mit dabei ist zum Beispiel auch Dorothee Markert (die Autorin).
Für die Startausgabe haben wir Autorinnen angefragt, die wir für ihr originelles Denken und ihr Engagement kennen und schätzen, und viele haben spontan mitgemacht, zum Beispiel Ina Praetorius, Ursula Knecht-Kayser, Andrea Günter, Theresia Wintergerst, Brigitte Voykowitsch und viele andere. Das Thema, zu dem sie beigetragen haben, lautet: „Für eine Politik der Beziehungen“ (direkt weiterlesen: www.bzw-online.de/artikel-1-32.htm)
Außerdem möchten wir auf der Seite auch interessante Texte aus der internationalen Frauenbewegung übersetzen und damit für die deutsche Diskussion zugänglich machen. Für den Anfang gibt es zwei auf deutsch übersetzte Texte von Luisa Muraro (zum Beispiel über „Die Entdeckung der Freiheit als religiöse Freiheit“: www.bzw-online.de/artikel-8-22.htm sowie eine Übersetzung aus der aktuellen Via Dogana, der Zeitung des Mailänder Frauenbuchladens (zum Thema „Öffentliche Sphäre“: www.bzw-online.de/artikel-2-8.htm).
Die Seiten sind so aufgebaut, dass Ihr entweder nach Rubriken (Politik, Philosophie, Gesellschaft, Lyrik, Bücher etc.) suchen könnt, oder über den Link „Themen“ auf Artikel verwiesen werdet, die sich jeweils mit einem bestimmten Thema befassen. Oder ihr klickt den Link „Autorinnen“ an und findet darauf Kurzbiografien von der jeweiligen Frau und Verweise zu allen Artikeln, die sie auf http://www.bzw-weiterdenken.de/ bereits veröffentlicht hat.
Die Sache mit den „Beziehungen“ als Organisationsform bedeutet im Übrigen nicht, dass es sich irgendwie um einen geschlossenen Zirkel von Eingeweihten handelt oder so. Das Entscheidende ist vielmehr das eigene Begehren, sich zu diesem Projekt in eine Beziehung setzen zu wollen. Jede, die will, kann also gerne mitarbeiten, eigene Texte schreiben, Bücher vorstellen, Termine bekannt machen und so weiter. Es genügt, mit einer der Redakteurinnen (zum Beispiel mit mir) Kontakt aufzunehmen – und schon sind wir im Gespräch. Wir freuen und auf eure Gedanken und Vorschläge und Anregungen!
Übrigens freuen wir uns auch über Spenden. Zum Beispiel müssen wir noch die Kosten für das Redaktionssystem abzahlen, und wir würden für die Übersetzungsarbeit gerne Honorare bezahlen. Auch die Ausrichtung der Redaktionskonferenzen (ungefähr halbjährlich) kostet Geld, weil die Frauen aus ganz Deutschland anreisen. Wer uns finanziell unterstützen kann, findet alles Weitere unter www.bzw-online.de/help.php.
Und nun wünsche ich Euch viel Spaß beim lesen und surfen und nachdenken – und vielleicht ja sogar mitdenken und selbst schreiben! Briefe und Kommentare und Meinungen zu den Beiträgen sind herzlich willkommen und werden jeweils unter dem entsprechenden Artikel veröffentlicht.
