Dienstag, 17. Juni 2008

Was ist Arbeit? - nicht in falsche Dualismen geraten

Was mir auf die Nerven geht ist, dass in Bezug auf die Definition von Arbeit und Wirtschaft immer von falschen Dualismen die Rede ist: Entweder es geht unserer Wirtschaft gut oder den Menschen; Entweder wir produzieren genug oder wir schützen die Umwelt; Entweder wir profitieren oder die dritte Welt; Entweder ich ruiniere meine Gesundheit oder das Unternehmen geht pleite. Wie kann man einen Schritt zurückgehen und überlegen, wo die Debatte auf ein schiefes Gleis geraten ist und was notwendig wäre, um das alles wieder zusammenzudenken. Mögliche Wege und Ansatzpunkte dafür wären:

* Arbeit und Einkommen getrennt denken. Die Trennung ist schon Realität, wie wir am Beispiel von Bergsteigern, Prostituierten oder Aktionären sehen können. Ein politischer Vorschlag dazu ist die Einführung einer bedingungslosen Grundeinkommens (vgl. http://www.gutesleben.org/), das, anders als etwa die Forderung nach einem Mindestlohn, nicht mehr die symbolische Forderung aufstellt, dass „jeder von seiner Arbeit leben können“ muss.

* Wenn nicht mehr Geld den Wert der Arbeit bemisst, können wir wieder freier über Notwendigkeiten nachdenken: Welche Arbeiten müssen gemacht werden, auch wenn es sich nicht „rechnet“? Diese Frage stellt sich insbesondere im Hinblick auf Pflege, Hausarbeit, Kindererziehung usw.

* Den Wert von Handeln und Herstellen als Formen menschlichen Tätigseins schätzen und nicht alles der Kategorie „Arbeit“ zuordnen. Gutes Leben geht über die Notwendigkeiten hinaus. Im Bereich des Herstellens geht es auch um „Überflüssiges“ (gute – nicht nur ausreichende – Qualität, Verzierung und Verschönerung). Im Bereich des Handelns geht es darum, zu sehen, dass zweckfreies Tätigsein im Hinblick auf den Sinn des Ganzen gefragt ist, nicht nur Streben nach Effizienz oder Antworten auf Notwendigkeiten.

* Die globale, flexibilisierte und technisierte Welt hat neue Erfordernisse mit sich gebracht, die sich nicht im Rahmen traditioneller Wirtschaftstheorien verstehen lassen. Alte Konfliktlinien (Arbeiter – Unternehmer, Frauen – Männer, erste Welt – dritte Welt) stimmen teilweise nicht mehr und helfen uns nicht, die Realität zu verstehen.

Dies ist das Resumée eines Vortrags, den ich im April bei einer Tagung des Bayersischen Historikerinnen-Netzwerkes gehalten habe. Der vollständige Vortrag steht hier:
http://www.antjeschrupp.de/was_ist_arbeit.htm

Mittwoch, 11. Juni 2008

Zum 100. Geburtstag von Simone de Beauvoir

Ihr freies Leben hat eine ganze Generation von Frauen inspiriert, aus den Beschränkungen von Haus und Heim auszubrechen, ihre Studie "Das andere Geschlecht" hat die Frauenbewegung der siebziger Jahre maßgeblich beeinflusst: In diesem Jahr jährte sich der Geburtstag von Simone de Beauvoir zum 100. Mal. Ein guter Anlass, an die französische Philosophin und Schriftstellerin zu erinnern und sie zu würdigen. Was war das Neue an Beauvoirs Denken in ihrer Zeit? Wie wurde es von der Frauenbewegung aufgegriffen und was hat es bewirkt? Was ist von ihrem Anliegen immer noch aktuell?
Vortrag von Antje Schrupp am Donnerstag, 19. Juni, um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei Leonberg (bei Stuttgart), Liststraße.

Mittwoch, 4. Juni 2008

„Ich gratuliere Hillary Clinton“

Ein Kommentar zum Sieg von Barack Obama gegen Hillary Clinton

„Ich gratuliere Hillary Clinton, nicht nur weil sie eine Frau ist, die weiter gegangen ist als jemals eine Frau vorher, sondern auch weil sie eine starke Anführerin ist, die Millionen von Menschen inspiriert“ – dies sagte Barack Obama in seiner Siegesrede am 3. Juni, als endgültig klar geworden war, dass er der demokratische Präsidentschaftskandidat bei den USA-Wahlen im November ist. Das hört sich auf den ersten Blick gut an: Fairer Gewinner. Auf den zweiten Blick ist es ziemlich unverschämt. Was nicht Obamas Schuld ist. Es belegt nur, dass Frauen noch immer symbolische Fremdkörper in dem System der „offiziellen“ Politik sind. Anders herum wäre der Satz jedenfalls nicht möglich. Wenn eine Frau sagen würde: „Ich gratuliere Barack Obama, nicht nur weil er ein Schwarzer ist, der weiter gekommen ist als jeder andere Schwarze vor ihm...“ – das klänge rassistisch und herablassend.

Es zeigt sich hierin, dass der Ausschluss von Frauen aus der Politik und die rassistische Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung zwei völlig verschiedene Paar Schuh sind. Vorausgegangen war Obamas Sieg ja ein merkwürdiges Geplänkel. Immer mehr ist im Wahlkampf Clintons Frausein zum Thema geworden. Und es verfestigte sich zunehmend der Konsens, dass sie mit ihrem Festhalten an der Kandidatur irgendwie dem feministischen Projekt schadet. Adrienne Woltersdorf hat das zum Beispiel in der taz geschrieben (am 29. Mai): „Ein Vorbild für ambitionierte Frauen ist die Politikerin damit nicht mehr. Längst wirkt sie wie eine Karikatur einer einzig auf ihre Selbstverwirklichung fixierten Frau.“ http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/notfalls-eine-vernunftehe/?src=SE&cHash=df8cbb60d7

Möglicherweise stimmt es ja, dass Hillary Clinton eine schlechte Politikerin und unkluge Wahlkampfstrategin ist – das zu beurteilen traue ich mir als mit der amerikanischen Tagespolitik wenig vertraute Kommentatorin nicht zu. Aber von ihr zu verlangen, dass sie eine gute Figur im Namen der Frauen machen soll, ist zwar irgendwie verständlich, aber letzten Endes skandalös. Denn es heißt, dass von Frauen immer noch verlangt wird, irgend etwas zu tun, weil sie Frauen sind. Wenn das mit der weiblichen Freiheit ernst gemeint wäre, hätte man von Clinton alles mögliche verlangen können - dass sie mit Rücksicht auf die Einheit der Demokraten verzichtet, zum Beispiel - aber auf keinen Fall, dass sie etwas anderes tut, als das wovon sie überzeugt ist, nur weil sie eine Frau ist.

Es war meiner Ansicht nach ein Fehler, dass Feministinnen wie Gloria Steinem oder Adrienne Rich dazu aufgerufen haben, Clinton wegen ihres Frauseins zu wählen. Nicht nur weil das denjenigen Wählerinnen, die für Clinton waren, weil sie sie für die bessere Politikerin hielten, den Dauervorwurf einbrachte: Du bist ja nur aus Frauensolidarität für sie. So wurde nicht nur Clintons Autorität geschwächt, sondern auch die ihrer Anhängerinnen.

Der Vergleich der Diskriminierungen war von vornherein schief. Denn dabei musste natürlich herauskommen, dass die Ausbeutung und Verfolgung der Schwarzen schlimmer war als die politische Rechtlosigkeit der Frauen. Da konnte Clinton eigentlich alles nur falsch machen: Wenn sie darauf verwies, dass ihre eigene Großmutter vor hundert Jahren noch nicht wählen durfte (die schwarzen Männer damals aber schon seit vier Jahrzehnten), dann ließ das Gegenargument nicht lange auf sich warten: Schwarze sind damals in den USA nämlich noch gelyncht worden. Und das ist ja wohl deutlich schlimmer. Der Appell an weibliche Solidarität wäre strategisch vielleicht möglich gewesen, wenn Clintons Konkurrent ein weißer Mann gewesen wäre. In diesem Fall ist er nach hinten los gegangen. Es hat nämlich gezeigt, dass unter weißen Mittelstandsfrauen tatsächlich noch immer eine gewisse Blindheit für die Tragik der rassistischen Vergangenheit steckt, eine Verharmlosung der Tatsache zum Beispiel, dass erst vor vierzig Jahren die Apartheid in den USA abgeschafft worden ist. Statt in die Konkurrenz um die dramatischere Opfergeschichte einzusteigen, wäre es richtiger gewesen, zuzugeben, dass vom Rassismus – wie von jedem anderen sozialen Diskriminierungsmechanismus – immer auch Frauen profitieren: die aus den herrschenden Klassen nämlich.

Die Geschichte der Frauendiskriminierung kann nicht mit dem Rassismus parallel gesehen werden. Sie verläuft auf einer völlig anderen Schiene: Weiblichkeit und Politikmachen passen nicht zusammen. Politik ist männlich konnotiert, und zwar bis heute. Sie war hingegen niemals weiß konnotiert. Weiße Männer haben schwarze Männer von der politischen Macht ferngehalten, weil sie in ihnen Konkurrenten sahen. Das war ein reiner Machtkampf, der nichts Symbolisches hatte. Frauen wurden hingegen von der politischen Macht ausgeschlossen, weil diese Macht sich von Beginn an - noch in der französischen Revolution - als nicht-weiblich definiert hat. Die meisten Männer sahen in den Frauen, die das Wahlrecht forderten, keine Konkurrentinnen. Sie meinten einfach nur, die Politik wäre nicht mehr dasselbe (nämlich kein Ort mehr des männlichen Imaginären), wenn die Frauen hier dabei wären.

Das ist auch der Grund dafür, dass es kulturell sogar in einer so durch und durch rassistischen Gesellschaft wie den USA des 19. Jahrhunderts leichter war, das Wahlrecht für schwarze Männer durchzusetzen als das für weiße Frauen. Obwohl die weißen Männer sich kulturell und sozial den weißen Frauen viel näher und verbundener fühlten als der schwarzen Bevölkerung. Deshalb ist Obama trotz seiner Hautfarbe kein Fremdkörper auf der politischen Bühne und kann es sich leisten, gönnerhaft gegenüber Clinton zu sein. Oder anders: Als Präsidenten können die weißen Amerikaner (und Amerikanerinnen!) einen Schwarzen halbwegs akzeptieren. Aber das heißt nicht, dass sie ihn auch zu ihren Parties einladen oder ihre Tochter heiraten lassen würden. Auf der anderen Seite teilen sie mit Frauen ihr Leben und ihren Alltag - aber ein politisches Amt trauen sie ihnen letzten Endes doch nicht zu. Das würde natürlich heute niemand mehr zugeben. Aber ich behaupte, dass es tatsächlich so ist: Wir trauen einer Frau nicht zu, dass sie Politik macht. Weil Politik machen (jedenfalls diese Art des Politikmachens) sich als nicht-weiblich definiert hat.

Genau dies hat die verräterische Gratulation Obamas nämlich ungewollt bewiesen: Man findet es offenbar immer noch erstaunlich, dass eine Frau so etwas macht - nur dann kann man ja auf die Idee kommen, ihr deshalb eigens zu gratulieren. Ich im Übrigen auch. Ich dachte, eine Frau kann nur so Politikerin sein, wie ihrerzeit Margaret Thatcher: Als ungebrochene Fortsetzung männlicher Politik mit Rock und Handtasche. Angela Merkel hat mich inzwischen eines Besseren belehrt. Irgendwie schafft sie es, eine andere politische Kultur zu leben. Wie sie das macht, ist mir noch nicht so ganz klar - leider wird es auch nicht diskutiert, weil wir im Allgemeinen davon ausgehen, mit dem Bekenntnis zur Gleichheit der Geschlechter sei das Thema erledigt. Vielleicht ist das das Gute an Clintons Niederlage: Sie beweist, dass das Thema noch nicht erledigt ist.

Um noch einmal auf die Gratulationsrede von Obama zurückzukommen: Schön wäre es gewesen, wenn er so etwas gesagt hätte wie: "Ich gratuliere Hillary Clinton, weil sie eine großartige Politikerin ist, die Millionen von Menschen inspiriert. Und ich freue mich, dass unsere politische Kultur inzwischen so ist, dass Frauen wie sie sich daran beteiligen und ihre Fähigkeiten einbringen können." Aber bis dahin ist es offenbar noch immer ein weiter Weg: Zu einer Neudefinition des Politischen, die in der Beteiligung von Frauen eine Chance, einen Glücksfall sieht und nicht eine unbedeutende Nebensächlichkeit.

Um dahin zu kommen, ist es notwendig, aus der Opferkonkurrenz auszusteigen. Denn es war unausweichlich, dass bei dieser Konkurrenz Obama als Schwarzer die Nase vorne hatte: Sozial und menschlich gesehen war der Rassismus (von dem ja, was nicht vergessen werden sollte, auch schwarze Frauen betroffen waren) nun einmal tatsächlich schlimmer als die politische Rechtlosigkeit der Frauen (wobei, was man ebenfalls nicht vergessen sollte, ja auch viele weiße Frauen sozial ausgegrenzt waren, zum Beispiel wenn sie nicht zu den mittelständischen Bürgerfamilien gehörten). Politisch gesehen wäre aber eine Frau als Präsidentin ein Ereignis mit weitaus größerer symbolischer Bedeutung gewesen. Deshalb ist die Entscheidung der Amerikanerinnen und Amerikaner für Barack Obama und gegen Hillary Clinton die konventionellere.

(Mehr zum Thema: "Kein weiblicher Messias in Sicht" - http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-2-105.htm)

Die ganze Welt zuhause? - Cosmobile Putzfrauen

Zig-tausende Putzfrauen aus aller Welt arbeiten in deutcshen Haushalten. Sie leben in einer Schattenwelt und pendeln in rechtlichen Grauzonen zwischen ihrer Heimat und dem Land, das ihnen eine Arbeitsverhältnis und Einkommen bietet, hin und her. Die Soziologin Maria S. Rerrich hat zahlreiche Gespräche mit diesen "cosmobilen Putzfrauen" geführt und bietet einen Einblick in eine Lebenswelt, die den meisten Menschen verborgen bleibt. Wie funktionieren die sozialen Netzwerke dieser Frauen, wie wohnen sie, was tun sie, wenn sie krank werden? Rerrichs Buch ist Feldstudie und Appell zugleich. Die oft prekäre Situation dieser Frauen wirft Fragen nach Mustern sozialer Ungleichheit auf, die mit Expertinnen diskutiert werden.

UND ZWAR am
Montag, 16. Juni, in Frankfurt am Main, Stadtbücherei, Hasengasse 4.

Programm:
19.30 Uhr: Vortrag Maria S. Rerrich, Fachhochschule München
20.30 Uhr: Filmsequenz aus dem Film "Haus -Halt -Hilfe"
20.45 Uhr: Podiumsdiskussion mit Andrea Bode (FIM), Wangare Greiner (Maisha e.V.), u.a., von mir moderiert.

Donnerstag, 29. Mai 2008

Spalten und Ungeheuer

Starker Tobak für die Fangemeinde: In ihrem Roman "Die Kluft" erfindet Doris Lessing die Schöpfungsgeschichte neu. Und die Frauen kommen dabei gar nicht gut weg: http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-7-120.htm

Donnerstag, 22. Mai 2008

Vaterschaft vielfältig gestalten

"Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr" – noch nie war dieses Sprichwort so wahr wie heute. Das alte Rollenmodell des patriarchalen Familienoberhauptes ist wohl endgültig passé. Doch was an seine Stelle treten soll, ist noch ziemlich unklar. Ist ein Vater einfach die männliche Version einer Mutter? In Zeiten, in denen die Gleichstellung von Frauen und Männern politische Zielvorgabe ist, erscheint das vielen als die plausibelste Lösung. Doch der Blick auf das wirkliche Leben zeigt, dass die Situation weitaus komplizierter ist.

Mit meinem Artikel "Abschied vom Traummann" beginnt eine Diskussionsreihe über Familienbilder in der Zeitschrift "Publik Forum". Weiterlesen hier: http://www.antjeschrupp.de/abschied_vom_traummann.htm

Montag, 19. Mai 2008

Zukunft der Frauenbewegung: Neuauflage

Da die neuen deutschen Alphamädchen derzeit so viel mediale Furore machen, freue ich mich sehr, dass mein Büchlein „Zukunft der Frauenbewegung“ jetzt in der zweiten Auflage ist! Als es im Jahr 2004 herauskam – also in grauen postfeministischen, bzw. wie sich jetzt herausstellt prä-neo-feministischen Zeiten – fragten mich viele Leute ganz erstaunt: Ja, hat denn die Frauenbewegung überhaupt eine Zukunft? Heute dürfte das wohl kaum jemand mehr bezweifeln. Vielmehr stellt sich immer deutlicher die Frage: Was für eine? Ich bin eigentlich ganz guter Hoffnung, dass wir nun doch endlich über die F-Klasse-Forderung nach mehr Geld und Karriere für Mittelschichts-Frauen hinauskommen und wieder die Frage nach dem guten Leben für alle diskutieren. Wurde ja auch Zeit. Im Übrigen habe ich letzte Woche Charlotte Roches „Feuchtgebiete“ gelesen. Ich fand das Buch gar nicht so skandalös, wie dauernd getan wird (sind wir denn schon wieder so spießig, dass uns ein paar blutige Tampons und Sperma-Spritzer aus der Fassung bringen?). Ins Auge gesprungen ist mir vor allem folgender Satz (auf Seite 128), wo die 18 Jahre alte Protagonistin sagt: „Es gibt eigentlich nichts, womit meine Mutter kein Problem hat.“ Das scheint mir ein guter Hinweis darauf zu sein, was die „jungen Frauen“ an den „älteren Frauen“ stört – dass wir nämlich zu viel über Probleme und Forderungen reden, die an andere (die Männer, den Staat) zu stellen wären, anstatt die Lösungen und Ideen stark zu machen, die der Feminismus schon lange formuliert und ausprobiert hat. Und zwar nicht nur, aber natürlich auch, im Hinblick auf guten Sex! Oder anders gesagt: Charlotte Roche weist uns auf das Fehlen weiblicher Autorität hin – und genau das ist, jedenfalls meiner Ansicht nach, der Dreh- und Angelpunkt, um den es in punkto „Zukunft der Frauenbewegung“ geht. Vielleicht kennt Ihr ja die ein oder andere „Jungfeministin“, der Ihr das Büchlein (es kostet auch nur 5 Euro) schenken könnt…
Mehr Infos zum Büchlein unter: http://www.antjeschrupp.de/frauenbewegung_einleitung.htm

Freitag, 9. Mai 2008

1968 und die Frauen



Die Revolte von 1968 feiert ihren 40. Geburtstag – und da stellt sich natürlich auch mal wieder die Frage, wie das damals mit den Frauen war. Gut verstanden haben sie sich ja nicht, die Revolutionäre und die Feministinnen (oder, wie Jutta Ebeling diese Woche auf einer Podiumsdiskussion sagte): Die 68 waren eine Männerinszenierung und sind es bis heute geblieben. Bekanntlich führte das testosteron-geprägte Revoluzzertum zu einem gewissen Unbehagen seitens der Mitkämpferinnen und die beharrliche Ignoranz gegen das erwachende feministische Bewusstsein zuerst zum berühmten Tomatenwurf und dann später zur Separationspolitik der Frauenbewegung (die – und deshalb ist das Thema nicht nur von historischem Interesse, jüngere Frauen heute noch abschreckt). Ich habe besagte Podiumsdiskussion besucht, bei der neben Jutta Ebeling auch Daniel Cohn-Bendit, Christina Thürmer Rohr, Sibylla Flügge und Joscha Schmierer dabei waren. Und sowenig die Männer und Frauen dieser Generation sich vor vierzig Jahren verstanden haben, so wenig kommen sie auch heute noch zusammen. Ich habe da so eine Idee, woran das liegen könnte... Zum Weiterlesen: http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-15-118.htm

Sonntag, 27. April 2008

Die Sehnsucht junger Frauen

Eine Feministin der "Töchter"generation hat einen Bestseller geschrieben. Betretenes Schweigen bei den "Müttern"? Dorothee Markert hat "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche gelesen: http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-7-117.htm

Freitag, 18. April 2008

Die beste Familie gibt es nicht!

Die jüngste Brigitte-Studie hat es gezeigt: Der Kinderwunsch von Frauen ist nach wie vor hoch. Die bekannten gesellschaftlichen Hürden bewirken jedoch, dass Frauen in der Realität viel weniger Kinder bekommen, als sie eigentlich wollen. Ein großes Hindernis dabei ist die sinkende Kinderlust der Männer. Mehr als ein Viertel der jungen Männer will ein Leben ohne Kinder. Das stellt uns vor große Herausforderungen. Wichtig ist, dass wir schleunigst unser Familienbild verändern. Keine Ideale mehr, sondern eine pragmatische Förderung einer ganzen Vielfalt von Möglichkeiten des familiären Zusammenlebens. Meine ich. Mehr dazu in meinem neuen Artikel: "Die beste Familie gibt es nicht!" -
http://www.antjeschrupp.de/die_beste_familie.htm

Mittwoch, 16. April 2008

Wie können wir dem Bösen begegnen?

In ihrem philosophischen Text "Verfluchen, beten, nicht fragen" denkt Annarosa Buttarelli über eine Praxis von Frauen nach, das Böse in seinen Tod zu begleiten, anstatt es mit der Kraft des Guten heilen zu wollen. Der Text stammt aus einem neuen Aufsatzband der Philosophinnengemeinschaft "Diotima" in Verona. Dorothee Markert hat ihn aus dem Italienischen ins Deutsche übersetzt: http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-3-106.htm

Mittwoch, 2. April 2008

Vätern einen Platz geben

Eines der wichtigsten Themen im Zusammenhang mit neuen Beziehungen zwischen den Geschlechtern sind die Verhandlungen über die Rollen innerhalb der Familie. Es ist unübersehbar, dass überkommene patriarchale Väterkonzepte schon lange ihre Überzeugungskraft eingebüßt haben. Doch was tritt an ihre Stelle? Leider bleiben auch die neuen Väterkonzepte bislang vielfach unglaubwürdig und führen zu allerhand Problemen, vor allem dann, wenn sie mit einer Schwächung der mütterlichen Position einhergehen – zahlreiche Fallbeispiele dazu haben Anita Heiliger und Eva-K. Hack in ihrem Sammelband „Vater um jeden Preis?“ zusammengetragen. Im Widerspruch zu einer verbreiteten Haltung, die Vatersein und Muttersein einfach in einem egalitär-geschlechtsneutralen „Elternsein“ aufzulösen versucht, meint Andrea Günter, dass die Position des Vaters auch in nachpatriarchalen Zeiten nicht mit der Mutter identisch ist: „Die Frage der Vaterschaft ist eine andere Frage als die der Mutterschaft. Die Aufgabe, Vätern einen Platz zu geben, ist eine eigenständige Aufgabe und bleibt eine eigene Anstrengung.“ Zu den dafür notwendigen Debatten leistet sie mit ihrem Büchlein „Vätern einen Platz geben“ einen wesentlichen Beitrag. Eine Leseempfehlung: http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-7-110.htm

Samstag, 29. März 2008

Brauchen wir einen neuen Feminismus?

Mitte Februar fand ein großer internationaler Kongress des Cornelia-Goethe-Instituts an der Uni Frankfurt zu dieser Frage statt. Referentinnen aus Deutschland, Italien, Norwegen, Polen, Österreich und der Schweiz lieferten höchst interessante Analysen. Was ist von der „dritten Welle“ zu halten? Wieso ist der Feminismus heute so konservativ geworden? Oder ist das Ganze nur ein Medienphänomen? Ich habe ein bisschen mitgeschrieben - meine subjektive Zusammenfassung der Vorträge steht hier: http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-3-108.htm

Außerdem: Im Internet sind jetzt auf den Seiten der Friedrich-Ebert-Stiftung sämtliche Ausgaben der 1976 gegründeten feministischen Zeitschrift Courage digitalisiert und kostenlos zugänglich. Da sag ich nur: Applaus, Applaus! Hier ist der Link zum Courage-Archiv: http://library.fes.de/courage/courage-einl.html.

Dienstag, 25. März 2008

Rückschau zum Internationalen Frauentag

Im Jahr 1788 beklagte die Schriftstellerin Olympe de Gouges in einem politischen Essay eine gewisse Haltung, die sie unter den Wissenschaftlern, Handwerkern und Politikern ihrer Zeit beobachtete: Sie würden zunehmend eigennützige Ambitionen verfolgen ohne deren Auswirkungen auf die Gesellschaft allgemein zu berücksichtigen und vor lauter Profitstreben ihren eigenen Platz innerhalb der menschlichen Gemeinschaft nicht mehr verstehen. Kommt uns das irgendwie bekannt vor? De Gouges endete damals ihre Überlegungen mit den Worten: „Wenn ich in dieses Thema noch weiter verfolge, würde ich zu weit gehen und die Feindschaft der Neureichen auf mich ziehen, die, ohne über meine guten Ideen nachzudenken oder meine gute Absichten anzuerkennen mich ohne Mitleid verurteilen würden als eine Frau, die nur Paradoxes anzubieten hat und keine einfachen Lösungen für die Probleme.“ Das kann ich gut nachfühlen. Nach einer feministischen Standortbestimmung gefragt (was jeweils rund um den Internationalen Frauentag am 8. März Konjunktur hat), glaube ich, dass Feministinnen mit gutem Grund keine eindeutigen Lösungen, sondern nur Paradoxien anzbieten haben. Ein Thema, das ich bei meinen diesjährigen Vorträgen zum Frauentag etwas näher ausgearbeitet habe.

Der Vortrag steht jetzt zum Nachlesen im Internet: http://www.antjeschrupp.de/gutes_leben_in_zeiten_der_emanzipation.htm (lohnt sich auch für diejenigen, die bei einer der Veranstaltungen dabei waren, denn meist sind wir so schnell in die Debatte gekommen, jedenfalls habe ich das Manuskript kein einziges Mal bis ganz zum Ende vorgetragen J). Eine weitere Möglichkeit, über das Thema zu diskutieren, gibt es bei einer Veranstaltung am Mittwoch, 2. April, um 20 Uhr im Jubec-Café, Kronenplatz 20, in Karlsruhe. Ich würde mich freuen, wenn wir uns sehen.

Donnerstag, 20. März 2008

Persönliche Auseinandersetzungen mit „großen“ Frauen

Im Januar hatte ich euch auf einen Artikel "Sinn und Unsinn historischer Frauenforschung" hingewiesen, in dem ich die These aufstelle, dass es bei der Beschäftigung mit der Geschichte weniger darum geht, objektive Kriterien von “Größe“ oder „Wichtigkeit“ zu finden, sondern dass die Bedeutung historischer Frauen sich über unser eigenes Begehren erschließt, das sich in eine kritische und differenzierte Auseinandersetzung mit diesen Denkerinnen wagt. Darüber ergab sich unter anderem ein kleiner Mailwechsel mit einem Wikipedia-Autor, und wir stellten fest, dass dort ein ähnliches Prinzip Anwendung findet: Ob eine Person dort einen Eintrag bekommt, hängt ja auch nur davon ab, ob sich jemand findet, dem oder der das wichtig genug ist, um sich die Arbeit zu machen. Er wollte dort einen Artikel über Virginie Barbet einstellen, eine französische Sozialistin, und dafür einen Text von meiner Homepage verwenden.
Gerne doch: http://de.wikipedia.org/wiki/Virginie_Barbet. Mein Text über Barbet (der allerdings weitgehend wortgleich ist, jedoch weiterführende Links bietet) steht unter http://www.antjeschrupp.de/barbet.htm


Außerdem ist im März im Schwabenverlag ein Buch erschienen, das ebenfalls diesem Prinzip folgt. Es versammelt zwölf Artikel, in denen sich die Autorinnen in eine lebendige Auseinandersetzung mit je einer Persönlichkeit aus der Geschichte begeben. In meinem Beitrag geht es um Hannah Arendt, die anderen handeln von Hildegard von Bingen, Clara von Assisi, Elisabeth von Thüringen, Marguerite Porete, Johanna von Orleans, Teresa von Avila, Maria Ward, Madeleine Delbrel, Astrid Lindgren, Sophie Scholl und Dorothee Sölle.

Martina Kreidler-Kos (Hg): Von wegen von gestern! Der Lebenskunst großer Frauen begegnen, Schwabenverlag, Ostfildern 2008, 13,90 Euro.


Übrigens: Bücher versandkostenfrei kaufen bei http://www.frauenbuchladen.net/
Der ursprüngliche Artikel „Brauchen wir große Frauen“ unter http://www.antjeschrupp.de/grosse_Frauen_artikel.htm.

Freitag, 15. Februar 2008

Kein weiblicher "Messias" in Sicht

Mit "Messias-Faktor" hat der Spiegel den gegenwärtigen Höhenflug Barack Obamas im Rennen um die demokratische Präsident/inn/en-Kandidatur treffend umschrieben. Der US-amerikanische Vorwahlkampf ist nämlich für eine feministische Analyse von großer Bedeutung: Die "weiße Frau" und der"schwarze Mann" kandidieren für dieselbe Partei, ihre Programme unterscheiden sich praktisch gar nicht voneinander. Aus der drohenden Niederlage Hillary Clintons können wir so einiges über die symbolische Politik der Frauen lernen:

http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-2-105.htm

Mittwoch, 6. Februar 2008

Priester und Feministinnen - Artikel von Luisa Muraro

Das Thema Religion und Spiritualität, das Verhältnis von Feministinnen zur Kirche und damit verwandte Fragen haben uns im Forum http://www.bzw-weiterdenken/ in den vergangenen Wochen und Monaten beschäftigt. Da war es ein schöner Zufall (oder war es gar kein Zufall?) dass sich die Dezember-Ausgabe der Zeitung "Via Dogana" des Mailänder Frauenbuchladens mit dem Thema "Priester und Feministinnen" beschäftigte. Wir haben daraus den gleichnamigen Artikel von Luisa Muraro ins Deutsche übersetzt, um die Diskussion fortzuführen: http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-3-102.htm
Zur Erinnerung: Die Dokumentation unserer vorausgegangenen Diskussion auf der Redaktionsmailingliste findet Ihr hier: http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-8-88.htm

Freitag, 11. Januar 2008

Ausländer sind gesetzestreuer als Deutsche

Zu diesem Thema sagt Frank Robertz, Wiss. Leiter des Instituts für Gewaltpfävention und angewandte Kriminologie in Berlin: "Man sollte sich Folgendes vergegenwärtigen: 30 Prozent der Ausländerkriminalität entsteht durch Touristen oder Durchreisende, weitere 17,5 Prozent sind Verstöße gegen Ausländer- und Asylverfahrensgesetze, die Deutsche gar nicht begehen können. Die Bundeszentrale für politische Bildung weist sogar darauf hin, dass nach Abzug aller statistisch bedingten Unschärfen jene Ausländer, die ständig in Deutschland leben, gesetzestreuer sind als Deutsche in gleicher sozialer Position. Hinzu kommt, dass Gewalt auch ein Phänomen von jungen Männern mit niedrigem Bildungsstand aus benachteiligten Schichten ist. Genau diese Bevölkerungsgruppe findet sich in den ausländischen Bevölkerungsanteilen Deutschlands häufiger. Zudem besteht nachweislich eine höhere Strafanzeigenbereitschaft gegen ausländische Bürger. Es ist also logisch, dass in den Gewaltstatistiken auch viele Ausländer vorkommen, was aber nicht zwingend direkt mit dem jeweiligen Migrationshintergrud zu tun hat" (Interview in brandeins, Januar 2008).

Freitag, 28. Dezember 2007

Brauchen wir "große Frauen"? zum 100. Geburtstag von Simone de Beauvoir


Am 9. Januar ist der 100. Geburtstag von Simone de Beauvoir. Sicher eine der wichtigsten Vordenkerinnen des Feminismus, aber vor allem war sie Philosophin (Mitbegründerin des Existenzialismus) und Schriftstellerin. Ihr freies Leben - ohne Heirat, ohne Kinder, Wohnen im Hotel, verschiedene Liebhaber - hat eine ganze Frauengeneration begeistert.

Die Frage ist aber, wie eine weibliche Geschichtsschreibung, eine weibliche Erinnerungskultur aussehen könnte. Brauchen wir "große" Frauen, so wie die männliche Geschichtsschreibung ihre "großen Männer" feiert? Sind Frauen in der bisherigen Historie einfach nur "vergessen" oder gar "unsichtbar gemacht" worden, oder stellt ihre Abwesenheit aus den traditionellen Geschichtsbüchern vielleicht einen Ausgangspunkt für ein ganz neues Verständnis von Geschichte dar?

Über den Sinn und Unsinn historischer Frauenforschung habe ich kürzlich einen Artikel geschrieben: http://www.antjeschrupp.de/grosse_Frauen_artikel.htm
Was beim feministischen Erinnern meiner Meinung nach vor allem wichtig ist, ist dass wir die Frauen früherer Zeiten nicht zu "Repräsentantinnen" ihres Geschlechtes erklären. Genau dieses Schicksal erfuhr nämlich Simone de Beauvoir: Nachdem sie "Das andere Geschlecht" geschrieben hatte, war sie plötzlich die "Frauen-Frau", nicht mehr die eigenständige Philosophin. Man interessierte sich mehr für ihr "unweibliches" Leben als für ihre Ideen. Wenigstens heute, 60 Jahre später, sollten wir an Beauvoir nicht als "eine von uns" erinnern, sondern als eine eigenwillige Denkerin, die eine Philosophie prägte, nämlich den Existenzialismus, die für das Denken der sexuellen Differenz einiges beizutragen hat, die aber auch zur Kritik und zum Widerspruch herausfordert. Denn eine lebendige Auseinandersetzung mit Denkerinnen vergangener Zeiten ist viel interessanter als eine platte Heldinnenverehrung.

Vorträge und Veranstaltungen von mir zum 100. Geburtstag von Simone de Beauvoir gibt es:
- am Mittwoch, 9. Januar, in Frankfurt/Main (18 Uhr, Ev. Frauenbegegnungszentrum, Saalgasse 15)
- am Donnerstag, 10. Januar, in Herford (19 Uhr, Kreishaus)
- am Montag, 28. Januar, in Aalen (19 Uhr, VHS)
- am Dienstag, 12. Feburar, in Detmold (19 Uhr, Café Schokolade, Marktplatz, Lange Str. 41)
- am Dienstag, 11. März, in Siegen (19.30 Uhr, Krönchen Center, Markt 25)
- am Montag, 28. April, in Schwäbisch-Gmünd (19.30 Uhr, VHS Gmünd, Münsterplatz 15)

Would be nice to meet you!

Mittwoch, 28. November 2007

Sexualität und Freiheit

Sexualpolitik ist ein in letzter Zeit ziemlich vernachlässigtes Thema, wie ich finde. Zwar wird in akademischen Kreisen viel darüber geschrieben, dass es eigentlich gar keine Geschlechter gibt, aber in der Realität gibt es sie eben doch. Auf diesem Weg kommen wir nicht wirklich weiter. Außerdem ist dieser Diskurs reichlich westlich-aufgeklärt dominiert. In dem Zusammenhang hat Angelika Hassani einen schönen Artikel darüber, dass "queer" auch einer der vielen schönen Namen Gottes im Islam ist: http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-8-92.htm
Und es gibt zwei neue Bücher, die daran erinnern, dass freiheitliche Sexualpolitik eine Geschichte hat. Sie zu lesen ist interessant, aber auch ein bisschen traurig, weil es uns daran erinnert, dass die Geschichte nicht immer hin zu mehr Freiheit verläuft, sondern manches Mal auch rückwärts: http://www.bzw-weiterdenken.de/artikel-7-97.htm